Poetry Slam Nachhaltigkeit (2026)
Starke Worte für eine starke Zukunft!
Auch im diesjährigen Seminar „Ökonomie und nachhaltige Entwicklung“ stellten sich die Studierenden beim Poetry Slam mit ihren selbst geschriebenen Texten dem Thema „Nachhaltigkeit“.
Kreativ, persönlich, nachdenklich – hier gibt’s die beeindruckenden Ergebnisse!
Samstagabend - Lucas
Samstagabend.
20:30 Uhr
Flutlicht.
Ich trage meinen Schal um den Hals.
Die Menschen strömen ins Stadion, als gäbe es dort
drinnen Antworten auf Fragen, die sie sich selbst nicht
stellen wollen.
Der Mann vor mir spricht vom Aufstieg.
Der Mann hinter mir spricht vom neuen Stürmer.
Und irgendwo zwischen Bratwurst, Bier und Anpfiff fällt
immer wieder derselbe Satz:
"Nächste Saison."
Nächste Saison greifen wir oben an.
Nächste Saison schaffen wir den Aufstieg.
Nächste Saison wird alles besser.
Und niemand meint die aktuelle Saison.
Denn die aktuelle Saison ist nur der Weg zur nächsten.
Und während ich dort stehe und zuhöre, merke ich:
Eigentlich reden wir gar nicht über Fußball.
Wir reden über Hoffnung.
Über die Hoffnung, dass das Morgen besser wird als das
Heute.
Dass die nächste Liga besser ist als die aktuelle.
Dass der nächste Trainer besser ist als der jetzige.
Dass der nächste Transfer die Lösung ist.
Und plötzlich fällt mir auf:
Das kenne ich doch irgendwoher.
Nicht aus dem Stadion.
Aus meinem Alltag.
Aus unserer Gesellschaft.
Wir warten auf die nächste Gehaltserhöhung.
Auf den nächsten Abschluss.
Auf das nächste Handy.
Auf das größere Haus.
Auf das bessere Auto.
Auf den nächsten Urlaub.
Auf den nächsten Schritt.
Immer auf den nächsten Schritt.
Als hätten wir verlernt, stehen zu bleiben.
Als hätten wir verlernt zu fragen, ob das, was wir gerade
haben, vielleicht schon genug sein könnte.
Denn irgendwie scheint es immer weiter zu gehen.
Höher.
Größer.
Schneller.
Mehr.
Im Fußball.
In Unternehmen.
In Städten.
In unserem Leben.
Mehr Zuschauer.
Mehr Umsatz.
Mehr Reichweite.
Mehr Leistung.
Mehr.
Mehr.
Mehr.
Und irgendwann frage ich mich:
Muss es eigentlich immer alles größer werden?
Oder haben wir einfach vergessen, wie sich genug
anfühlt?
Vielleicht liegt genau darin das Problem.
Nicht nur im Fußball.
Nicht nur in der Wirtschaft.
Sondern in uns selbst.
Denn wir jagen dem nächsten Ziel hinterher wie einem
Ball, der ständig weiterrollt.
Und kaum haben wir ihn erreicht, liegt der nächste
schon bereit.
Vielleicht ist Nachhaltigkeit deshalb nicht nur die Frage,
wie wir mit Ressourcen umgehen.
Vielleicht ist Nachhaltigkeit auch die Frage, wie wir mit
unseren Erwartungen umgehen.
Die Frage, ob Wachstum immer die Antwort sein muss.
Die Frage, ob höher immer besser ist.
Die Frage, ob größer immer erfolgreicher bedeutet.
Oder ob wir irgendwann lernen müssen, eine viel
unbequemere Frage zu stellen:
Wann ist genug eigentlich genug?
Denn solange wir immer nur auf die nächste Saison
schauen,
auf die nächste Liga,
auf das nächste Ziel,
auf das große Morgen,
riskieren wir vielleicht etwas, das viel wertvoller ist:
das sichere Heute.
Die Rechnung kommt später. - Laura
Ich bin nur ein Streifen Papier.
Weiß. Dünn. Wegwerfbar.
Geboren zwischen Scannerpiep
und „Brauchen Sie den Bon?“
Auf mir steht:
Hähnchenbrust, 2,99.
Salami, 1,19.
Angebot.
Danke für Ihren Einkauf.
Danke?
Ich soll zeigen,
was bezahlt wurde.
Aber ich zeige nicht,
was es gekostet hat.
Auf mir steht nicht:
ein Stall ohne Himmel,
ein Tier ohne Namen,
ein Leben in Quadratmetern gerechnet.
Auf mir steht nicht:
Gülle im Boden,
Methan in der Luft,
Futter auf Feldern,
wo früher Wald war.
Auf mir steht nur:
2,99.
Und alle sagen:
Das ist billig.
Aber billig heißt oft nur:
Jemand anderes zahlt.
Man nennt das externe Kosten.
Ich nenne es:
eine Rechnung,
die weitergereicht wird.
An das Grundwasser.
An das Klima.
An die Tiere.
An Menschen in Schlachthöfen.
An die Zukunft.
Und trotzdem steht da:
2,99.
Als könnte Geld ein Leben aufwiegen.
Als hätte ein Herzschlag einen Kilopreis.
Als wäre ein Atemzug ein
Sonderangebot.
Nachhaltig wäre,
wenn der Preis ehrlich wäre.
Nachhaltig wäre,
wenn nicht nur zählt,
was sich zählen lässt.
Ich bin nur ein Kassenbon.
Ich kenne Zahlen.
Aber ich weiß auch,
was nicht auf mir steht.
Was billig ist,
ist nicht immer bezahlbar.
Was heute gespart wird,
zahlen andere später.
Die Rechnung kommt später.
Aber sie kommt.
Aus dem Alltag einer Studentin - Lea
Der Wecker klingelt. 6:30 Uhr.
Mein erster Gedanke: Heute rette ich die Welt.
Mein zweiter Gedanke: Wo ist mein Kaffee?
Ich gehe in die Küche, greife zum Mehrwegbecher. Sehr gut. Wiederverwendbar.
Pluspunkt fürs Karmakonto.
Dann fällt mir ein: Der Kaffee darin ist von Aldi. In Aluminium verpackt, per
Containerschiff importiert. Minuspunkt.
Erstes Fazit um 6:35 Uhr: Die Welt geht vermutlich trotzdem unter, aber
zumindest habe ich bei der Apokalypse keinen Pappbecher in der Hand.
Ich bin Studentin, ich will es richtig machen!
„Nachhaltigkeit.“
den ich mir nicht leisten kann.
Ein Wort, so schwer und teuer wie der Iced-Soja-Hafer-Mandel-Matcha-Latte,
Ich stehe im Unverpackt-Laden. Vor mir: Nüsse, Linsen, Haferflocken, ... in
wunderschönen Glasröhren.
Ich berechne den Preis pro Gramm im Kopf und merke: Für ein ordentliches
Linsen-Dal müsste ich mein BAföG verpfänden.
Also gehe ich danach zu Aldi. Ich kaufe Tomaten.
Also gehe ich danach zu Aldi. Ich kaufe Tomaten.
Die sind eingeschweißt in Plastik, das härter und widerstandsfähiger ist als ich in
meiner letzten Klausurenphase.
Ich schaue die Tomaten an. Die Tomaten schauen mich durch ihre Plastikrüstung
an. Wir beide schämen uns. Wir predigen Verzicht.
„Kauf Second Hand!“, sagen sie. „Vintage ist cool!“
Also wühle ich mich samstags durch Berge von getragenen Strickpullis, die nach
feuchtem Keller und Mottenkugeln riechen, nur um am Ende auszusehen wie ein
pensionierter Sozialkundelehrer aus den Zweitausendern.
Aber hey, Fast Fashion ist der Teufel!
Sag ich. Und scrolle nachts um drei, heimlich, unter der Bettdecke durch H&M,
quer durch Europa verschickt wird. Öko-Bilanz? Ein Treppenwitz.
Es ist ein ständiger, verdammter Spagat.
Zwischen Weltrettung und WG-Putzplan.
Zalando und Asos auf der Suche nach dem einen Teil, das mit dem Flugzeug
Zwischen Klimastreik und Montag-Morgen-Seminar.
Zwischen „Ich trenne meinen Müll feinsäuberlich“ und „Oh Gott, in welchen Eimer
kommt eigentlich verschmutztes Backpapier?!“
Manchmal habe ich das Gefühl, egal, was ich tue, es reicht nicht!
Wir wollen das System stürzen! Den Kapitalismus besiegen!
...aber bitte erst nach der Hausarbeiten-Abgabe.
...aber bitte erst nach der Hausarbeiten-Abgabe.
Aber wisst ihr was? Das ist vollkommen okay.
Wir müssen nicht alle zu hundert Prozent perfekt sein.
Die Welt wird nicht, von einer Handvoll Leuten, die Zero Waste in Perfektion leben
und ihren Jahresmüll stolz in ein kleines Einmachglas stopfen, gerettet.
Die Welt wird verändert von Millionen von Menschen, die es verdammt nochmal
unperfekt machen. So wie wir.
Die die Plastik-Tomaten kaufen, aber dafür kein Auto haben.
Die den Aldi-Kaffee trinken, aber dafür zu Fuß gehen.
Die Fehler machen, zweifeln, scheitern und am nächsten Tag trotzdem wieder
anfangen.
Ich bin Studentin.
Ich bin pleite, ich bin müde, ich bin unperfekt.
Aber ich versuche es.
Und morgen früh nehme ich wieder meinen Mehrwegbecher.
„Im Angebot“ - Alina
Ich steh im Supermarkt
zwischen Bio und billig
und entscheide mich wieder
für das Sonderangebot.
Nicht weil ich’s besser finde.
Sondern weil’s einfacher ist.
Wir kaufen ständig.
Neue Schuhe.
Neue Handys.
Neue Dinge,
die wir eigentlich gar nicht brauchen.
Und irgendwo sagt jemand:
„Denk an die Umwelt.“
Mach ich ja.
Kurz.
Beim Bezahlen.
Denn Verantwortung
ist anstrengend.
Konsum nicht.
Konsum geht schnell.
Ein Klick.
Ein Paket.
Ein bisschen Dopamin.
Und trotzdem wissen wir doch alle,
dass irgendwer am Ende draufzahlt.
Vielleicht Menschen.
Vielleicht die Natur.
Vielleicht irgendwann wir selbst.
Wir fragen immer:
„Wie billig ist das?“
Aber fast nie:
„Was kostet es wirklich?“
Die Zukunft hat Stellen frei - Alina
Was willst du mal werden?
Diese Frage kennt doch jeder.
Schon als Kind gab's die Gespräche,
zwischen Schulbank und den Fächern.
Astronaut, Pilot, Millionär,
Hauptsache wichtig, Hauptsache mehr.
Hauptsache Titel, Hauptsache Geld,
doch was passiert dabei mit der Welt?
Denn die Welt hat gerade andere Sorgen,
sie denkt nicht an heute, sie denkt schon an morgen.
An Wälder, die schwinden, an Flüsse, die leiden,
an Sommer, die Rekorde statt Schatten verbreiten.
Und während wir über Karrieren sprechen,
beginnen Ressourcen langsam zu brechen.
Wir rechnen Gewinne in Euro und Cent,
doch wer rechnet mit dem, was die Zukunft verbrennt?
Ökonomie sagt: „Wachstum ist Pflicht!“
Nachhaltigkeit fragt: „Aber zu welchem Gewicht?“
Denn wenn der Gewinn immer größer erscheint,
hat am Ende vielleicht niemand gewonnen, vereint.
Die Zukunft hat Stellen frei, jede Menge sogar.
Nicht irgendwann später – sie sucht Leute jetzt, hier und da.
Sie sucht Menschen mit Ideen im Kopf,
nicht nur Zahlenkolonnen im Aktenordner-Topf.
Sie sucht Ingenieurinnen für Wind und Solar,
die sagen: „Eine grüne Zukunft? Na klar!“
Sie sucht Handwerker, die Häuser sanieren,
statt weiter Energie zu verlieren.
Sie sucht Planer für Städte mit Bäumen und Licht,
wo Nachhaltigkeit lebt und nicht nur verspricht.
Doch das Schöne daran – und das ist kein Witz:
Nachhaltigkeit braucht keinen besonderen Sitz.
Du musst nicht die Welt allein retten können,
du musst ihr nur etwas mehr Zukunft gönnen.
Denn egal ob Büro, Werkstatt oder Betrieb,
entscheidend ist nicht nur der Verdienst, sondern auch, was blieb.
Was bleibt von der Arbeit nach Jahren zurück?
Nur Zahlen auf Papier oder ein echtes Stück Glück?
Vielleicht ist Erfolg nicht nur Status und Geld,
sondern die Frage, wie man die Zukunft bestellt.
Vielleicht ist Karriere nicht höher und schneller,
sondern klüger, gerechter und manchmal auch heller.
Und wenn mich heute jemand fragt:
„Was willst du mal werden?“, ganz unverzagt,
dann sage ich nicht: „Reich“ oder „groß“.
Denn davon allein wird kein Problem los.
Ich möchte etwas schaffen, das morgen noch zählt.
Etwas, das bleibt, wenn die Zukunft uns wählt.
Denn die beste Investition, das wird oft übersehen,
ist eine Welt, in der wir auch morgen noch leben.
Die Zukunft hat Stellen frei.
Die Frage ist nur: Bewirbst du dich dabei?
Die Natur braucht keine Likes - Marie
Endlich nachhaltig Urlaub machen.
Im eigenen Land.
Endlich nicht wegfliegen.
Mit dem Zug zur Camperabholstation düsen und einfach losfahren.
Alles dabei: kleine Dusche, Chemie-WC, Kühlschrank und ein Bett.
Jetzt nur noch mit Diesel volltanken
und dann kann es endlich losgehen.
Die 600 Kilometer auf der Autobahn Richtung Süden
vergehen wie im Flug.
Am Campingplatz angekommen,
gibt es nur noch ein Ziel für den Tag:
Campingstühle raus.
Tisch aufgebaut.
Gaskocher raus.
Dosenravioli erhitzt.
Lecker.
Oder zumindest: sättigend.
Jetzt heißt es: die Ruhe genießen.
Stopp.
Was ist das?
MUSIK?!
Wer spielt hier mit einer XXL-Musikanlage
und extra Bassbox Musik?
Mitten auf dem Naturcampingplatz.
Im Naturschutzgebiet. Unglaublich.
Naja gut: Ohropax rein. Schlafen. Bis morgen überstehen.
Morgen wird wild gecampt.
Endlich angekommen.
Endlich Ruhe.
Endlich mitten in der Natur.
Der Urlaub kann beginnen.
Heute gibt es Nudeln mit Pesto.
Dazu einen Rotwein.
Und später noch eine Tafel Schokolade.
Wohin jetzt aber mit dem Müll?
Warum gibt es hier in der Natur keinen Mülleimer?
Naja. Ein bisschen Plastik und Glas werden der Natur schon nicht schaden.
Macht ja jeder mal.
Am nächsten Morgen.
Die Sonne geht auf.
Vogelgezwitscher.
Frische Luft.
Perfekt. Fast perfekt.
Denn da liegt Müll.
Überall.
Flaschen. Verpackungen. Kippen.
Wie können Menschen nur so respektlos sein?
Ich schüttele den Kopf.
Mache schnell ein Foto.
Lade es hoch.
"#RettetDieNatur!"
Zweihundert Likes.
Dreißig Kommentare.
Ein gutes Gefühl.
Fast so gut wie Naturschutz.
Später fahre ich weiter.
Noch zweihundert Kilometer bis zum nächsten Geheimtipp aus dem Internet.
Unberührte Natur.
Steht jedenfalls so im Reiseführer.
Dort angekommen,
sind schon hundert andere Menschen, die dieselbe Idee hatten.
Sie fotografieren den Sonnenuntergang.
Ich auch.
Sie posten ihn.
Ich auch.
Sie hinterlassen Spuren.
Ich auch.
Und irgendwann sitze ich da.
Mit meinem Rotwein.
Vor meinem Camper.
Und frage mich:
Wann genau wurde Nachhaltigkeit zu etwas,
das wir zeigen, statt leben?
Warum fällt es mir leichter,
einen Beitrag über die Natur zu teilen,
als meinen eigenen Müll mitzunehmen?
Warum rege ich mich über Lautsprecher auf,
aber nicht über meinen Diesel oder mein Chemie-W?
Warum zeigen immer die Finger auf die anderen,
während mindestens drei auf uns selbst zurückzeigen?
Vielleicht beginnt Nachhaltigkeit nicht mit dem perfekten Urlaub.
Nicht mit Bio-Siegeln.
Nicht mit Hashtags.
Nicht mit dem Gefühl, zu den Guten zu gehören.
Vielleicht beginnt sie mit Ehrlichkeit.
Mit der Erkenntnis,
dass wir alle Teil des Problems sind.
Und deshalb auch Teil der Lösung sein müssen.
Denn die Natur braucht keine Likes.
Keine Ausreden.
Keine Selbstdarsteller.
Sie braucht Menschen, die aufhören sie nur zu bewundern,
und anfangen, auf sie aufzupassen.
Fahrrad oder Auto? - Julian
Jeden Morgen stellt sich die Frage ganz genau:
Steige ich aufs Fahrrad oder fahre ich mit dem Auto schlau?
Das Auto ist bequem, das muss man schon sagen,
doch die Umwelt muss dabei die Folgen tragen.
Abgase in der Luft, Stau auf der Spur,
das ist auf Dauer keine gute Tour.
Das Fahrrad braucht keinen Sprit und keinen Tank,
hält die Umwelt sauber und den Körper schlank.
Man spürt den Wind, man hört die Stadt,
und merkt, was man vorher verpasst hat.
Natürlich ist das Auto wichtig und sinnvoll dabei,
doch für kurze Wege gibt es oft eine Alternative frei.
Denn Nachhaltigkeit beginnt nicht irgendwann,
sondern mit dem, was jeder Einzelne tun kann.
Ob Fahrrad oder Auto – die Wahl liegt bei dir,
doch jede gute Entscheidung zählt, hier und jetzt, nicht erst morgen,
sondern hier.
Nachhaltigkeit - Florian
Nachhaltigkeit.
Ein langes Wort, gedruckt auf Jutebeutel, die wir in die Ecke feuern, weil wir schon zehn
davon haben.
Wir posten grüne Herzen, trinken Kaffee aus Bambusbechern und fliegen fürs Wochenende
ans Meer.
Wir wissen alles. Wir kennen die Warnstufen.
Und doch greifen wir im Supermarkt zur Plastikgurke. Weil es bequemer ist.
Bequemlichkeit regiert.
Wir trennen den Müll mit religiösem Eifer, nur um direkt danach das fünfte T-Shirt für fünf
Euro zu bestellen.
Wir wollen, dass alles exakt so bleibt, wie es ist – nur eben in Grün.
Aber die Natur verhandelt nicht. Sie liest keine Hashtags.
Und während wir mit unserem Papierstrohhalm den Cocktail schlürfen , wundern wir uns,
dass das Wasser steigt.
Denn schuld sind schließlich immer die anderen.
Die Nachbarn mit dem dicken Auto, die Konzerne, die da oben.
Wir zeigen mit dem Finger fleißig auf den Rest der Welt, während wir darauf warten, dass
jemand für uns auf die Bremse tritt.
Weltrettung? Ja, absolut.
Aber bitte mit vierzehn Tagen Rückgaberecht, falls es doch zu anstrengend wird.
Vielleicht ist Nachhaltigkeit gar kein Lifestyle-Produkt.
Kein neues Label für das gute Gewissen.
Vielleicht ist es schlicht der Mut, einmal nicht zu kaufen. Nicht zu fliegen.
Vielleicht fängt das echte grüne Herz beim Weglegen an.
Ein Schritt zurück.
Ein echtes: Weniger.
Das Mindesthaltbarkeitsgefühl - Henry
Schaut euch um. Eine Vielzahl an Decken, wo sich Karottensticks und Gurken recken.
Zwischen Brötchen, Hummus und Bouletten wollen wir kurz die Weltgeschichte retten.
Wir sitzen hier im Grünen, das Leben scheint fein, doch trügt uns bei manchen Themen nicht der Schein?
An der Uni sind wir die Zukunft von morgen, wir analysieren Krisen und machen uns Sorgen. Wir wälzen Sammelbände, Reviews, Fachzeitschriften voller Fleiß, berechnen CO₂-Zertifikate und den Ressourcenpreis.
Doch stehen wir Ökonomen dann vorm Kühlschrank – fatal! Verlassen uns die Klarheit und die Wahl: nicht immer ist das ganze rational. Wo ist sie hin, die Effizienztheorie, beim Blick auf die eigene Haushaltschemie?
Ein Beispiel gefällig? Ihr müsst nicht lang warten. Hier drüben liegt sie: die Tomate aus dem Garten. Oder eher aus dem Supermarkt. Schon etwas weich. In unserem Kopf startet sofort der moralische Vergleich. „Kann man das noch essen oder stirbt man daran gleich?“ Und zack landet sie in der Tonne eigentlich doch schade um diese rote Gemüsewonne.
Absofort ist sie aus den Augen und somit aus dem Sinn. War ja nur ne Tomate. Ist ja nicht viel drin.
Doch spulen wir zurück, betrachten wir das Stück. Hinter diesem roten Gemüse steht ein globales Geschick. Da ist monatelang Wasser in Spanien geflossen, da wurden Ressourcen und Schweiß reingegossen. Da hat jemand geschaut, dass die Ernte gelingt, ein Laster ist gefahren, der sie zu uns bringt. Während wir im Seminar über Lieferketten sprachen, und uns über Logistik den Kopf zerbrachen!
Nebenbei flog dieses rote Wunder um die Welt für unser Glück, doch wir schätzen es zu selten oder legen es zurück.
Das ganze gilt nicht nur für die Tomate, sondern handeln viele Menschen nach einem einfachen Motto: Ist das Gut erst einmal fort, holt man Ersatz an einem anderen Ort.
Das Problem ist wir werfen nicht nur Gemüse weg, das ist der Clou, wir werfen Energie weg, Arbeit, Zeit und unseren Verstand dazu.
Ein Drittel aller Lebensmittel landet weltweit im Müll, während unser Intellekt doch eigentlich das Gegenteil will. Wir debattieren im Master über globale Gerechtigkeit, doch scheitern am Kühlschrank an der Realität der Zeit.
Somit möchte ich euch zeigen das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Gesetz, merkt euch mein Geschwätz.
Es ist somit kein Todesurteil für die Lebensmittel von heute, sondern ein Richtwert für den Umgang mit dieser Beute.
Dadurch hoffe ich bei euch folgende Erkenntnis zu erreichen, wenn ich es vortrage in dieser Meute: es heißt mindestens haltbar nicht tödlich ab heute.
Also strengen wir uns im Konsum an, spätestens ab jetzt, sodass man den Verstand wieder auf Sinn vernetzt. Aber Lasst euch davon nicht die Picknick-Laune trüben, wir müssen nur den Unterschied von alt und schlecht wieder üben.
Es ist der größte Luxus, dass wir hier sitzen und über solche Themen reden, denn der Überfluss quillt aus all unseren Läden. Doch mit dieser Versorgung geht auch Verantwortung einher, denn einige Menschen hungern sehr. Drum achtet darauf, wenn ihr die Reste gleich einsackt, dass ihr nächstes Mal klüger und bedarfsgerechter abpackt. Denn Nachhaltigkeit beginnt auf jedem dieser Teller, in der Tupperdose oder im Konservenkeller.
Zum Abschluss lasst euch eines sagen Nachhaltigkeit ist kein Modul, das man wählt und vergisst, sie zeigt sich darin, was du kaufst und was du am Ende isst.
Wir wollen Märkte transformieren und globale Systeme lenken, doch die größte Transformation beginnt beim alltäglichen Denken. Vergesst den Homo Oeconomicus, der kühl nur den Nutzen misst, seid die Generation, die den Wert hinter dem Preis nicht vergisst.
Von mir war es das ab hier, ich lehn mich zurück und trink ein Bier.
Ohne Titel - Clemens
Gestern kam ich nach Hause, zog meine Schuhe aus und setzte Wasser auf.
Ich dachte über den Tag nach. Es war ein Tag wie jeder andere. Menschen gingen durch die Gassen, Autos fuhren und blieben stehen. Dann fuhren sie wieder los.
Die Blätter wehten in der leichten Brise, die Vögel zwitscherten, der Fluss plätscherte. Bäume, Tiere, Natur.
Vielleicht war der Tag doch nicht wie jeder andere.
Während ich darüber nachgrübelte, nahm ich meinen heißen Tee und setzte mich in meinen Sessel. Es war ein alter Sessel aus Leder. Man konnte ihm die langen Jahre des Sitzens ansehen. Ich mochte den Sessel.
Ich schaute aus dem Fenster.
Ich sah blühende Gräser, da waren Hügel und Täler. Und Farben. So viele Farben.
Rote Rosen, orange Tulpen, gelbe Sonnenblumen, saftig grüne Blätter, blaue Hortensien, weiße Narzissen, pinke Lilien, violetter Lavendel.
Da waren Kräuter und Sträucher, ein kleiner Bach. Man konnte das Plätschern des Wassers hören. So harmonisch.
Und Tiere, so viele Tiere.
Rotkehlchen, Meisen und Spatzen sangen in den Bäumen. Hasen hoppelten über die Landschaft. Da waren Igel und Mäuse, Hamster und Rehe.
Es wirkte wie eine Sinfonie, ein virtuoses Meisterwerk der Natur, welches zusammenkam, um mich daran zu erinnern, dass doch nicht jeder Tag normal ist, dass ich dankbar sein sollte, dass ich schätzen sollte, was ich hatte.
Wegwerfgesellschaft - Tami
Ich lebe in einer Welt,
in der alles ein Verfallsdatum hat.
Der Joghurt.
Das Handy.
Die Mode.
Manchmal sogar Freundschaften.
Wir kaufen,
benutzen,
werfen weg.
Kaufen,
benutzen,
werfen weg.
Wie ein Lied auf Dauerschleife.
Mein Handy funktioniert noch.
Der Akku hält durch.
Der Bildschirm ist ganz.
Aber irgendwo wurde entschieden,
dass es alt ist.
Nicht von mir.
Von der Werbung.
Sie flüstert:
„Neu ist besser.“
Und wir glauben ihr,
als wäre sie eine gute Freundin.
Der Toaster gibt auf.
Nicht weil er müde ist.
Nicht weil er sein Bestes gegeben hat.
Sondern weil eine Schraube fehlt,
die niemand mehr verkauft.
Reparieren?
Zu teuer.
Neu kaufen?
Im Angebot.
Und plötzlich wird Wegwerfen
zur vernünftigsten Entscheidung.
Verrückt, oder?
Wir leben in einer Zeit,
in der Müll oft günstiger ist
als Verantwortung.
Jeden Tag füllen wir Tonnen,
Container,
Deponien.
Mit Dingen,
die gestern noch wichtig waren.
Die Frage ist nicht,
warum wir so viel wegwerfen.
Die Frage ist,
warum wir so wenig behalten.
Vielleicht,
weil man uns beigebracht hat,
dass Wert mit Neuheit beginnt.
Doch vielleicht beginnt echter Wert
genau dort,
wo etwas Kratzer hat.
Wo etwas repariert wird.
Wo etwas bleibt.
Denn Nachhaltigkeit bedeutet nicht,
alles perfekt zu machen.
Vielleicht bedeutet sie einfach,
sich öfter zu fragen:
Brauche ich wirklich etwas Neues
oder habe ich das Alte
nur zu schnell aufgegeben.
Meine Wege - Sophia
Ich fahre viel Straßenbahn,
Deutsche Bahn,
und manchmal auch Fahrrad.
Nicht, weil es immer perfekt ist.
Nicht, will die Bahn nie zu spät kommt.
Nicht, weil Fahrrad fahren im Regen besonders
poetisch wäre.
Sondern weil ich gemerkt habe:
Mobilität muss nicht immer Auto heißen.
Für mich heißt sie oft:
Wind im Gesicht,
Menschen neben mir,
Durchsagen am Gleis.
Aber auch
Weniger Abgase,
weniger Lärm,
und mehr Platz.
Nachhaltigkeit heißt für mich auch
nicht nur die Umwelt zu entlasten,
sondern auch mich selbst.
Kein Tanken,
keine Parkgebühren,
keine Versicherung,
keine Werkstattrechnung,
die den Monat plötzlich enger macht.
Nachhatigkeit ist nicht perfekt,
nicht immer bequem,
aber möglich.
Und jedes Mal,
wenn ich das Rad nehme,
in die Straßenbahn steige
oder am Bahnsteig warte,
wird sichtbar, was diese Entscheidung bedeutet:
ungefähr 1,52 Tonnen CO2 weniger im Jahr.
Vielleicht rette ich damit nicht allein die Welt.
Aber ich fahre auch nicht so,
als hätte ich eine zweite im Kofferraum.
„Die Avocado von nebenan“ – Janis
Schuhe an, Tür zu
Nur kurz raus, Einkaufen
Blick ins Prospekt: Avocado im Angebot
Schnäppchen-Alarm
Nur 99 Cent
Doch wo kommt die eigentlich her?
Oh aus Peru
Wie weit die wohl gereist ist?
Über 10.000 Kilometer
Dabei laufe ich jeden Tag vorbei
Am lokalen Biomarkt
Überall regionale Produkte, grüne Siegel
Ich schaue mal rein
Brot brauch ich doch auch noch
Blick aufs Preisschild - Schock
Doppelt so teuer wie nebenan
Ist mir die Nachhaltigkeit das wert?
Blick ins Portemonnaie
Kann ich mir das leisten?
Will ich mir das überhaupt leisten?
Ehrliche Antwort: Aktuell leider nicht.
Doch genau da versteh ich es:
Nachhaltigkeit ist kein Luxus-Konsum
Kein Premium-Genuss für Gutverdiener
Da gehört weit mehr dazu
Du. Ich. Wir
Man muss es nur wollen
Es ist eine Einstellung
Bewusster leben, in allen Bereichen
Nicht nur beim Essen
Welche Kleidung kaufst du?
Wohin geht der Urlaub?
Brauchst du das Auto?
Doch jeder schaut nur auf sich selbst
Achtet auf seinen eigenen Fußabdruck
Wir müssen aufhören, alleine zu denken
Es geht nicht darum, perfekt zu konsumieren
Es geht darum, für Veränderung zu kämpfen
Gemeinsam als Menschheit.